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das kulturelle überformat
Nr. 28 / 2. November 2009
#Kolumne von Markus Schneider, Berlin
  3/6
gedankengang
Kolumne von Markus Schneider, Berlin

Überraschend schien das den Berlinern ein bisschen gleichgültig. Während es in L.A. einen grossen Bahnhof, mit den üblichen voll verkommenen und hirnverlorenen Lügnern am roten Teppich gab, mit einer katastrophal niederträchtigen Reporterin, mit American- Idol-Tröpfen und dem dummen Freund von Jennifer Love Hewitt, der tatsächlich sagte «Michael was great, he really danced his face off» – in Berlin: nichts. Was wiederum die Bildberichtler nicht davon abhielt, zu den immer gleichen Aufnahmen einer tanzenden Teeniegruppe vor dem Kino (die ich verpasst habe) von grosser Aufregung zu faseln. Der Auftritt muss echt der einzige Moment gewesen sein, wo die normale nächtliche Verschlafenheit des unmöglichen, nur eventweise nachts belebten Platzes für einen Augenblick aufgehoben war.

Was auch wieder ganz sympathisch ist, nicht? Dem Berliner, im Grunde ja kein so irre netter Mensch, geht recht schnell der Bullshit-Detektor an und messianischer Quatsch liegt ihm nicht. Das führt zwar einerseits zu den chronisch fiesen Taxifahrern, deren Reaktionärsdichte erstaunlich und berühmt ist (und wo man regelmäßig auf ausländerfeindliche Ausländer stösst); aber eben auch zu Leuten, die zu cool sind, ein ohnehin überfülltes Kino nicht zu belagern, wenn sie ahnen, dass der Hauptdarsteller nicht auftauchen wird (tot).

In L.A. wurde dagegen ganz schamlos vom «Geist Jacksons», den man – es windete LA-ungemäss – über dem Kino spüre, gesprochen. Von mir aus hätte er die ganze Mischpoke inklusive der familiären Heuchelbrut hinwegblasen oder wenigstens mal durchrütteln können.