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das kulturelle überformat
Nr. 28 / 2. November 2009
#Interview mit Yoko Ono
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dossier: Aussenseiter
Interview mit Yoko Ono

Ja, aber das gilt auch für meine Musik. Schon «Two Virgins» (1968 das erste Album mit John Lennon) trug den Untertitel «Unfinished Music Part One»; das nächste Album hiess «Part two». Die Leute haben mich gefragt, was das zu bedeuten habe, und ich erklärte: Es bedeutet, dass ihr eure eigenen Sachen dazu spielen könnt. Hat aber niemand gemacht.

2007 erschien das Remix-Album «I’m A Witch», auf dem Leute wie die Flaming Lips und Antony and the Johnsons ihre Songs bearbeitet haben. Mit elektronischer Musik und der Remixkultur hat die Popmusik ihr Konzept der ständigen Forterzählung jetzt eingeholt.

Genau, das ist toll. Und jetzt muss ich es nicht mehr tun. Ich will ja nicht hinterher laufen (lacht). Aber ich habe mir nie gesagt: So, das musst du jetzt tun. Sie müssen verstehen, dass bei mir alles mit Emotion zu tun hat. Zum Beispiel bat mich 2004 die Biennale in Liverpool um einen Beitrag. Ich gab Ihnen «My Mommy was Beautiful» (Bilder einer nackten Frauenbrust und einer Vagina, die auf Plakaten, Flyern oder Postern über die Stadt verteilt wurden) und dachte, das ist das Schönste, was ich Liverpool geben kann, sie werden es lieben. Es war John gewidmet, weil der ja diese Mutterfixierung hatte – aber sie reagierten richtig sauer. Ich konnte es überhaupt nicht verstehen. Ich will niemanden provozieren, ich gebe einfach nur, was in meinem Kopf vorgeht.

Ihre Kunst hatte ja aber auch immer einen starken politischen Impuls. Verändert sich nun etwas, wo Obama Präsident geworden ist?

Na ja, Politiker innerhalb etablierter Institutionen haben es sehr schwer, denn wenn sie in einer bestimmten Position angekommen sind, sind sie schon gefangen in bestimmten Grenzen. Was aber wirklich gut funktioniert, das sind wir, und die Art wie wir Dinge tun. Eben nicht nach Art der Politiker, sondern mit Imagination. Musik hat eine ungeheuer heilende Vibration, und visuelle Kunst hat diese ungeheure Macht, Wirklichkeit zu visualisieren. Zwischen visueller und auditiver Kunst können wir den Planeten bedecken und ihn zu einem Planeten der Musik und der Kunst verwandeln. Und wenn wir das tun, haben wir – (klatscht in die Hände) ganz schnell Weltfrieden. Das wird sehr bald so kommen.

Einige Stücke des Albums, etwa der Opener «D-Train», klingen aber auch recht aggressiv.


Der D-Train ist der Death-Train, der Zug des Todes. Wir warten auf den Tod und während wir warten, passieren natürlich alle möglichen Dinge. In den ersten Songs geht es um das Jetzt, um all die Sachen, die man emotional hinter sich bringt. Dann, am Ende, geht die Sonne wieder auf in «Higa Noboru». Da sage ich: «I’m Alive», was soviel bedeutet wie: Wir leben. Wir machen viel mit, während wir auf