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das kulturelle überformat
Nr. 29 / 21. Dezember 2009
#Interview mit Stascha Bader, Regisseur
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film
Interview mit Stascha Bader, Regisseur

ans Montreux Jazz Festival engagierte. Wichtig war auch, dass Roger Schawinski von 1979 an mit seinem damaligen Piratensender Radio 24 vom Pizzo Groppera aus viel Reggae nach Zürich sendete.

Wie kam es zu Ihrer Dissertation über die Dancehall-Kultur, die 1988 zum Buch «Worte wie Feuer» führte?

Mein Doktorvater sagte mir nach meinem Aufenthalt in New York, ich könne ein Stipendium für eine Dissertation beantragen. Durch den Kontakt zu Sandro Galli alias Roots Operator, der durch sein Soundsystem Kontakt zu vielen Toasters und DJs hatte, bekam ich einen ganz anderen Bezug zu Dancehall als zum Reggae: da ist man ganz nah, nicht getrennt durch die Bühne. Ich begann mich näher zu informieren – und das Thema packte mich vollends. Ich ging nach Jamaika und begleitete mobile Soundsystems, die von Kingston aufs Land fuhren. Abends um sechs ging es jeweils los, zunächst begannen sie mit den alten Stücken, mit viel Rocksteady und Ska. Je später, desto moderner wurde der Sound. Ab Mitternacht, wenn die Eltern und die Kinder zuhause waren, gab es dann Hardcore, um sechs in der Früh ging es wieder nach Hause. Das faszinierte mich, und ich fand heraus, dass dies in Afrika schon vor hunderten von Jahren gemacht wurde – so entstand meine Dissertation und daraus das Buch «Worte wie Feuer» (1988).

Wieso dauerte es so lange, bis Sie sich mit diesem Film wieder mit jamaikanischer Musik beschäftigten?

Nach dem Buch hatte ich für eine Weile genug vom Reggae und hörte mir vor allem House, Techno und Indie an. Als ich vor drei Jahren meine Plattensammlung aufräumte, fiel mir auf, dass ich viele Rocksteady-Platten hatte. Ich legte einige auf und war völlig verblüfft: hatte ich da etwas verpasst? Ich hatte bisher einfach gedacht, er sei eine Urform des Reggae. Aber es ist eben noch nicht Reggae, er trägt noch mehr Rhythm’n’Blues in sich, ist sehr soulig und jazzig. Rocksteady klingt intim, der Sound ist noch nicht voll Power wie beim Reggae, die Elektronik spielt im Vergleich zu den späteren Dub-Effekten erst eine kleine Rolle, dafür ist das Zusammenspiel noch sehr wichtig. Und: Diese Musik hat einen enormen, herzerwärmenden Charme, ich war überwältigt.

Gerade im Vergleich zum Reggae, aber auch zum Ska, ist Rocksteady ja weitgehend unbekannt geblieben...

Ja, das ist eine Sünde! Der Rocksteady ist wie ein akustisches Weltkulturerbe, das vom Verschwinden bedroht ist. Deshalb wollte ich ihm mit einem Film ein Denkmal setzen. Und es musste schnellstmöglich geschehen, denn die Zeit arbeitete gegen uns. Alton Ellis starb während der Filmproduktion. Lynn Taitt, eine