Anzeige
das kulturelle überformat
Nr. 27 / 15. September 2009
#Interview mit Paddy McAloon, Prefab Sprout
  3/9
musik
Interview mit Paddy McAloon, Prefab Sprout

Paddy McAloon, wie erklärt sich das Timing von «Let’s Change The World With Music»?

Ganz einfach durch die Tatsache, dass Keith Armstrong von Kitchenware Records, der mich von Anfang an unterstützt hat, daherkam und sagte, er könnte ein bisschen Geld aufwerfen dafür. Ich selber hatte seit Jahren nicht mehr daran gedacht. Es war längst von meinem Radarschirm verschwunden. Ich habe damals wohl eine zeitlang am Frust über das Nichterscheinen gekaut, dann ist das Leben weiter gegangen. Ich nahm «Andromeda Heights» auf und eine Reihe anderer Alben, die nie erschienen sind, schrieb Songs für Jimmy Nail, und so weiter und so fort.

Aber Armstrong hatte das Album nicht vergessen.

Ich glaube, er wollte mich zur Arbeit zurücklocken. Denn vor einigen Jahren, noch vor den Problemen mit dem Gehör, geriet ich in eine Krise. Eine Tages wurde ich von dem eigenartigen Gefühl überwältigt, dass ja alles vergänglich sei. Ich fragte mich, warum ich jeden Tag so hart an meinen Songs arbeitete, wo ich doch meine alten Platten nie anhörte und es auch nicht vertrug, wenn sie jemand anders in meiner Gegenwart auflegte. Ich dachte, es sei Zeit, mal etwas anderes zu machen. Ich hatte die Vorstellung, dass ich locker eine andere Beschäftigung finden würde und Musik so etwas wie ein Hobby

bliebe. Der Plan hatte zwei grundlegende Fehler. Erstens: Ich konnte nicht aufhören, Songs zu schreiben. Zweitens: Ich habe eine Familie, die es zu füttern gilt. Ausserdem hatte ich keinerlei andere Qualifikationen – ich kann ja noch nicht mal Auto fahren! Aber dann kamen die Probleme mit dem Gehör. So bin ich schliesslich fünf Jahre lang nicht an die Öffentlichkeit getreten. Ich denke, Keith wollte mich wieder auf den Geschmack bringen. Wenn diese lange Pause nicht gewesen wäre, hätte ich mich wohl nur widerwillig mit diesen alten Aufnahmen beschäftigt. So aber machte es Freude. Ich bin insgeheim recht stolz auf die Atmosphäre, die ich mit dem Album zustande brachte. Andererseits gefällt mir auch der Mythos, der mit einem vermeintlich verlorenen Album daherkommt.

Ich finde das Timing des Albums perfekt. Thematisch drehen sich die Texte um die Kraft der Musik, darum, wie Musik vielleicht eine ähnliche Wirkung auf einen Menschen ausüben kann wie ein religiöser Glauben. Das Album erscheint in einer Zeit, wo aus jedem Kleiderladen und jedem Shopping-Zentrum permanent Musik schallt, und meistens ist es immer die gleiche Musik. Man kann es nachvollziehen, wenn Menschen Musik als etwas empfinden, das höchstens noch auf die Nerven geht.


Gestern war ich in einem Warenhaus. Ich hab mich gefühlt wie im Studio 54 (Anmerk. des