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das kulturelle überformat
Nr. 23 / 14. April 2009
#Kolumne von Ernst Molden, Wien
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gedanengang
Kolumne von Ernst Molden, Wien

Wie wir da so im tristen Patt am Podium sassen, stürmte auf einmal ein baumlanger, strahlender junger Mensch mit sehr vielen Haaren und Bartstoppeln die Bühne, riss eine Gitarre an sich und nützte die fast entschlafene Öffentlichkeit dafür, eines seiner Lieder zu platzieren: «Wien brennt», hiess es da, und «Der Kongress tanzt». Eindrucksvoller liess sich den Diskutanten nicht zeigen, wie anderswo das Leben eigentlich stattfand.

Ein halbes Jahr später trat der Weinheimer erstmals nicht mehr solo auf: Bei ihm war jetzt der Hans Wagner, Deutscher in Wien, studierter Cellist, besessener Arrangeur und Produzent. Die Band war da. Zusammen nannte man sich Das Trojanische Pferd. Aus Weinheimers wunderschönen, ungestümen Liedern baute Wagner kleine Gesamtkunstwerke, geflutete Schleusen des grossen Gefühls. Live zunächst, in winzigen Hütten, vor immer mehr Begeisterten, machte man sich auf österreichische Welteroberung, und die geht: First we take Vienna, then the Bundesländer und irgendwann die Deutschen.

Und jetzt ist diese Platte da. Dreizehn Songs wie Bomben. Weinheimer singt im Opener: «Das ist kein rundes Lied, weil es nichts Rundes gibt», um schon im zweiten Stück beim Herrscher von Neuschwanstein anzukommen: «Ludwig der Zweite am Starnberger See, und noch Hände und Füsse und Kaltes Buffett». So gehts weiter, eine knappe Stunde lang, coproduziert vom begnadeten Wiener Multiinstrumentalisten Börn,  Lied für Lied, jedes wieder eine Erweckung, und das, ohne dass es anstrengend wird.

Echte Frühlingsmusik halt. Zwischen Punk, Kammermusik und hoher Poesiekunst spannen die Trojaner ein Zirkuszelt auf, das uns Kleingeistern gross scheint wie der Weltraum. Es gibt hier grad keine Band, von der man sich willenloser um den Finger wickeln lässt.




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und
vertont
von
Ernst
Molden