Anzeige
das kulturelle überformat
Nr. 30 / 18. Februar 2010
#Kolumne von Hanspeter Künzler, London
  4/5
gedankengang
Kolumne von Hanspeter Künzler, London

Refinanzierung wird die Rechnung der Glaziers (die, so weiss man nun auch, Millionenbeiträge für «Managementdienste» in Rechnung stellen) noch rosiger gestalten. Aber auch dieser Schuldenberg wird in sieben Jahren abgetragen werden müssen.

Selbst das Betteldokument der Red Devils warnt dabei vor Fallgruben: der Nachfolger von Trainer Sir Alex Ferguson, der in den nächsten drei Jahren in den Ruhestand treten will, könnte es schwer haben, die Erfolgskurve fortzusetzen, heisst es etwa. Neue UEFA-Gesetze erschwerten die Anschaffung von Spitzenspielern, was die spielerische Entwicklung ebenfalls aufhalten könnte. Nebst Rezession und veränderten Besitzverhältnissen bei anderen Klubs (sprich: Manchester City könnte mit den Milliarden der Scheiche den Triumph über den Lokalrivalen erkaufen) wird auch eine Terroristenattacke als möglicher Grund für eine Profiteinbusse genannt. Aber es bestehen viele Pläne, das Einkommen zu erhöhen. Zum Beispiel sollen in Zukunft weniger gewöhnliche Match-Tickets in Umlauf kommen. Stattdessen verspricht der Klub eine Palette von «Special Packages», bei denen mit dem natürlich teureren Eintrittspreis Crevettensandwiches, Wein, Parkplatz und andere Boni verbunden sind. Die paar Demonstranten, die im Spiel Manchester United gegen Burnley ein Banner hochhielten, auf welchem sie den Abgang von Malcolm Glazier forderten, wurden umgehend aus dem Stadion geleitet. Die Supporter des Gastklubs Burnley amüsierten sich dabei mit dem Sprechchor: «We have more money than you!»

In der liberalen Sonntagszeitung Observer schreibt sich derweil der «lebenslange Supporter» Julian Coman, der seit dem Mai 2005 Old Trafford nicht mehr betreten hat, den Frust vom Leib. Ganz nebenbei stellte er die These auf, für die Fussballfans, die in den 80er Jahren die Tribünen bevölkert hätten, beziehungsweise ihre Nachfahren, könnten es sich heute gar nicht mehr leisten, einen Match zu besuchen. Für die meisten bedeute der Marsch «zum Match» nichts