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das kulturelle überformat
Nr. 8 / 2. Oktober 2007
#Porträt Tony Wilson
  9/9
dossier: Factory Records
Porträt Tony Wilson

soll. Und dann kommt «Scooter Girl» – eine tolle, fantastische Shaun-Ryder-Single.

Mit Vini Reilly alias The Durutti Column verbindet Sie eine Freundschaft aus den ersten Tagen. Dem haben Sie ebenfalls immer die Treue gehalten.

Keineswegs. Vor etwa sieben Jahren haben wir uns total zerstritten. Er hat sich wie ein komplettes Arschloch benommen. Fünfzehn Jahre lang hatte ich es hingenommen, dass er sich wie ein Arschloch benommen hat, dann hat er etwas so Schreckliches getan, dass ich sagte: genug ist genug. Fünf Jahre lang haben wir nicht miteinander geredet. Dann sind wir wieder Freunde geworden. Seine Freundin hat übrigens das Cover des Raw-T-Albums fotografiert.

Wie sieht Ihre Beteiligung am Ian-Curtis-Film aus, der ja in nächster Zeit in Produktion gehen soll? (Und nun als «Control» in den britischen Kinos läuft, Anm. der Red.)

Es ist dies ja der zweite Versuch, die Geschichte zu verfilmen. Eine New Yorker Firma hatte die Filmrechte von Debbie Curtis’ Buch gekauft, dann gab es aber Krach bei denen, und es ist nichts passiert. Ein Grund dafür, dass mich Debbie Curtis anfragte, ob ich Ko-Produzent sein wolle, war der, dass die ganze Sache offizieller aussah, und dass ich diesen Typen aus New York loswerden konnte.

Dann gab es ja auch noch die Verfilmung Ihres Buches «24 Hour Party People». Ist der Film so herausgekommen, wie Sie es erwartet hatten?

Nein. Er kam viel besser heraus. Ich konnte gar nicht glauben, wie gut der Film war. Eine totale Lügengeschichte natürlich. Reine Erfindung.

Das war Ihr Buch ebenfalls, oder?

Nein, das Buch…aber ja doch, die ganze Sache! Das war ein Beschluss, den wir ganz am Anfang fassten. Bei der Wahl zwischen Wahrheit und Legende entscheide Dich immer für die Legende. Wie sie dies im Film dann gemacht haben, das war fantastisch. Denn Filmleute bauen meistens Scheisse, wenn sie sich meiner Welt annähern. Es gibt praktisch keine guten Rock’n’Roll-Filme. Die einzigen guten Filme sind «Easy Rider» und «Performance», denn sie nähern sich der Sache aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Ein Film wie «Almost Famous» dagegen macht keinen Sinn, denn die Musik der Band, die darin auftritt, ist einfach nicht gut, nicht glaubhaft genug. «24 Hour Party People» hingegen ist unterhaltsam und lustig. Auf kuriose Art hat der Film die Wahrheit über Punk gezeigt, die Wahrheit über Acid House, die Wahrheit über meine Freunde, über den Haufen von Menschen, die taten, was sie taten. Der Film hat mich regelrecht mit Stolz erfüllt.