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das kulturelle überformat
Nr. 16 / 3. Juli 2008
#Literarische Zugänge
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dossier: China
Literarische Zugänge

ja eben auch von den Folgen des Einfalls der freien Marktwirtschaft in China handeln. Das zeigt sich besonders deutlich im vierten Fall von Oberinspektor Chen Cao, «Rote Ratten» (Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel «A Case of Two Cities»), der autobiografische Züge trägt und sowohl in Shanghai wie in den USA spielt.

Qiu Xiaolong kennt die gesellschaftspolitisch turbulente Entwicklung seiner Heimat aus schmerzhafter eigener Erfahrung und hat mit dem Leben in den USA doch genügend Distanz dazu gewonnen. Er hat noch erlebt, wie sein Vater während der Kulturrevolution als Geschäftsmann zum Klassenfeind abgestempelt wurde – er schrieb ihm als Teenager die demütigende Selbstkritik. Mittlerweile könnten die einst als schwarz gebrandmarkten Geschäftsleute sogar der roten kommunistischen Partei beitreten, wunderte sich Qiu Xiaolong in einem Interview. Entsprechend thematisiert er in seinen Büchern immer wieder, dass die reichen Geschäftsleute heutzutage rot und populär, die Mittellosen hingegen schwarz und geringgeschätzt werden.

Trotz ernstem Hintergrund bietet auch «Rote Ratten» eine vergnügliche Lektüre, die zudem von einigen klassischen chinesischen Gedichten durchsetzt ist. Im Auftrag der Partei muss Oberinspektor Chen Cao «rote Ratten» jagen, korrupte Beamte und skrupellose Businessmen. Und merkt bald, dass er dabei einigen Parteikadermitgliedern gefährlich in die Quere kommt. Denn kaum erzielt er erste Resultate, wird er zum Leiter einer Schriftstellerdelegation ernannt, die in die USA reist.