Anzeige
das kulturelle überformat
Nr. 14 / 8. Mai 2008
#Kolumne von Hanspeter Künzler, London
  1/4
gedankengang
Kolumne von Hanspeter Künzler, London

Bye Bye Ken und Hallo Knallfrosch

Uff. Es hilft alles nichts. Wir kommen nicht darum herum. Das Schreckenswort muss genannt werden: Boris. Wenigstens gehört der Wahlbezirk, in welchem sich die Behausung dieses Schreibers befindet, zu den wenigen, die – noch nicht von allen guten Geistern verlassen – gegen Boris und für Ken stimmten. Unglaublich. Eine Metropole wie London, die als Bürgermeister einen Mann auswählt, der perfekt in das von Monty Python einst so akkurat gezeichnete Bild des «upper class twit» passt. Boris Johnson ist wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Als Absolvent des prestigereichsten und teuersten Internates von England, Eton (Kostenpunkt: rund 9000 Pfund pro Trimester) ist ihm eh eine Eigenschaft eigen, welche die britischen Internate ihren Schülern mit auf den Weg geben wie wohl keine andere schulische Institution auf der Welt: ein überwältigendes Bewusstsein, mit der Folge, dass man im Grunde recht hat, selbst dann, wenn man nicht recht hat. Hinzu kommt eine über lange Jahre herangebildete Fähigkeit, sich die Langeweile mit endlosen Witzen und möglichst cleveren One-Liners vom Leib zu schwätzen. Das ergibt einen Typus Mann – manchmal auch Typus Frau – dessen wahre Natur und Absichten für einen Aussenstehenden fast unmöglich zu erkennen sind.

In dieser Umgebung zählt ein guter Witz alleweil mehr als ein passender analytischer Nebensatz. Das macht eine politische Debatte schwierig. Im Vorfeld der Londoner Bürgermeisterwahlen wandte Johnson die Technik immer wieder höchst erfolgreich an. Sobald eine kritische Stimme Präzisionen von ihm hören wollte, oder nur schon eine Auflistung seiner Absichten, kam ein cleverer Scherz zurück, die den Fragesteller dem Gelächter preisgab, ohne dass seine Frage im Entferntesten beantwortet worden wäre. Wenige Tage vor der Abstimmung führte BBC-TV eine Live-Debatte