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das kulturelle überformat
Nr. 30 / 18. Februar 2010
#«The Lovely Bones»: Interview mit Susan Sarandon
  3/6
film
«The Lovely Bones»: Interview mit Susan Sarandon

besten Job geleistet hat. Es war eine herrliche Rolle, sie machte unglaublich Spass. Die Frau kümmert sich ja in keiner Weise darum, ob sie irgendwelche Gefühle verletzen könnte. Sie benimmt sich in jeder Situation komplett ehrlich und konsequent daneben.

In welchem Mass konnten Sie eigene Ideen und Sprüche einbringen?

Die Idee, dass ich die Vorhänge öffne, als ich ins Zimmer komme, stammt von mir. Meine Grossmutter tat dies genauso, als mein Grossvater gestorben war. Alles wirkte sehr klaustrophobisch und dann dann kam sie und öffnete endlich die Vorhänge. Zu den Dialogen steuerte ich wenig bei. Meine Beiträge hatten eher mit Situationen zu tun. Die Idee, dass ich bei meiner Ankunft eine Flasche Alkohol in der Handtasche hatte, die stammte von mir. Vieles ist rausgeschnitten worden. Ganze Handlungsstränge fielen der Schere zum Opfer. Aber ich meine, dass meine Figur immer noch stimmt. Sie ist so übertrieben, dass man immer noch einen Eindruck von ihrer Wirkung bekommt.

Ist es zum ersten Mal, dass Sie eine Grossmutter spielen?

Ich vermute es. Zumindest dem Rummel nach zu schliessen, die meine Rolle ausgelöst hat. War es ein grosser Schritt? Eine Nonne zu

spielen war ein grösserer Schritt (in «Dead Man Walking» von 1995, Regie: Tim Robbins, Sarandon erhielt dafür einen Oscar, Anm. der Red.). Man darf sich nie als eine «typische» Person für diese oder jene Rolle betrachten. Man sollte sich selber als eine spezifische Person erkennen können und davon ausgehend Rollen auswählen. Ganz bestimmt bin ich alt genug, eine Grossmutter zu sein. Ich bete allerdings, dass meine Tochter nicht so bald Nachwuchs zeugt. Oder mein Sohn. In unserer Familie wird gewettet, wer zuerst Grossmutter wird. Es wäre ein Desaster.

Wieso? Weil Sie nicht Grossmutter sein wollen?

Ganz und gar nicht! Ich will nur, dass meine Kinder eine Zeitlang ihre Freiheit geniessen können. Die Kinder haben ja keine Ahnung, was es bedeutet, Kinder zu haben! In den New Yorker Schulen führen sie diese Übung durch, bei der Schüler in Paaren – immer ein Mädchen und ein Junge – eine Woche lang ein rohes Ei oder eine Melone behüten müssen. Das soll ihnen einen Eindruck geben, was es heisst, Verantwortung zu tragen. Selber freue ich mich enorm darauf, meine Enkel verwöhnen zu dürfen. Meine Kinder haben es mir erklärt: Als Grossmutter lässt man die Enkel alles tun, was zuhause verboten ist. Und am Ende des Tages gibt man sie zurück und braucht sich um nichts anderes zu kümmern.