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das kulturelle überformat
Nr. 4 / 26. April 2007
#Interview mit Richard Linklater
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dossier: Fast Food Nation
Interview mit Richard Linklater

Die Fast-Food-Kette im Film heisst Mickey’s. Weshalb nicht McDonald’s – es ist ja nur allzu offensichtlich, welches Unternehmen sie porträtieren?

Das hat rechtliche Gründe. Hätten wir unseren Laden McDonald’s genannt, dann hätten sie uns gebraten. Es ist eigentlich schon verrückt, in einem Dokumentarfilm sind die Markennamen kein Problem, aber beim Spielfilm wird bei jedem einzelnen Produkt abgeklärt, ob man es nun nennen darf oder nicht. Und je realistischer ein fiktiver Film sein soll, desto gefährlicher wird es, reale Namen zu verwenden. Das kann manchmal sehr frustrierend sein. Aber das von uns kreierte Mickey’s sieht doch ziemlich real aus und kommt dem Ganzen ziemlich nah.

Hatten Sie während den Dreharbeiten Probleme mit realen Fast-Food-Ketten, die den Film verhindern wollten?

Nein, wir arbeiteten die meiste Zeit auf einer Höhe, die nicht auf dem Radarschirm erscheint. Und eigentlich ist denen eine solche Kritik egal. Seien wir doch ehrlich: auch MacDonald’s ist sich bewusst, dass ihr Essen nicht gesund ist. Aber wenn das ein Kritiker wieder einmal laut sagt, dann buttern sie ein paar Millionen in ihre Werbung und machen dies wieder wett. Der neueste Trick: der Kunde hat die Freiheit, ob er gesund essen will oder nicht, weil wir – also McDonald’s – ja auch ein paar gesunde Sachen anbieten. Dass der

Hamburger 99 Cents kostet und der Salat das Vierfache, ist da nicht von Belang. Der Kunde könnte, wenn er wollte.

Die Dreharbeiten im Schlachthaus müssen ganz schön dämpfend auf den Appetit gewirkt haben.

Ich war bereits zuvor Vegetarier, also konnten sie mir nichts anhaben (schmunzelt). Aber der Gestank ist natürlich unbeschreiblich. Ich bin allerdings in einer Familie aufgewachsen, in der das Jagen zum festen Alltag gehörte. Also habe ich den ganzen Prozess bereits früh mitbekommen.

Aus welchem Grund wurden sie dann Vegetarier?


Das hatte weniger mit dem Fleisch als mit dem Tierschutz zu tun. Eigentlich ist ja auch nicht die Jagd das Problem. Wenn irgendeiner in der Wildnis draussen einen Hirsch erlegt, um seine Familie zu ernähren, dann kann ich damit leben. Wenn reiche Typen Jagd als Sport betreiben, wenn Dick Cheney versucht ein Tier zu treffen (grinst) – das ist dann allerdings nur noch peinlich. Das Problem ist ein anderes. Als Kind wächst man mit dem Glauben auf, die Milchprodukte kämen von einer idyllischen Familienfarm. Und die Produkte in den Regalen der Supermärkte sind ja auch so aufgemacht, dass man meinen könnte, sie kämen von einer kleinen, abgelegenen Farm. Aber in Tat und Wahrheit