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das kulturelle überformat
Nr. 8 / 2. Oktober 2007
#Labelchef Ramin Sadighi, Iran
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musik
Labelchef Ramin Sadighi, Iran

Wenn in den Medien vom Iran die Rede ist, dann drehen sich die Berichte fast immer um politische Provokationen, umstrittene Atomanlagen oder sittenstrenge islamische Revolutionshüter.

Der Teheraner Musikproduzent Ramin Sadighi kann im Gespräch nicht verhehlen, dass ihm diese reduzierte Sichtweise auf sein Land weh tut. Wenn er im Ausland sage, dass er aus dem Iran stamme, blickten ihn die Leute manchmal an, also ob er in der Tasche ein Atomkraftwerk versteckt habe. Es komme manchmal sogar vor, dass Iraner, die sich etwa in den USA träfen, miteinander lieber Englisch als die Muttersprache Persisch sprächen.

Dieses negative Bild des Irans verdeckt nicht nur die positiven Seiten im Alltagsleben des 70-Millionen-Volkes, sondern auch eine grosse und lebendige Musikszene. Etwa jeder 70. Iraner lebe direkt oder indirekt von der Musik, betont Ramin Sadighi. Die aktuelle kulturelle Isolation erkläre sich teilweise aus der Geschichte. Im Gegensatz etwa zu Indien, dessen Kultur im Westen recht gut bekannt sei, sei der Iran nie eine Kolonie gewesen. Man sei bis zu einem gewissen Grad aber auch selbst schuld, weil bis heute viele Iraner die Reinheit der persischen Kultur erhalten wollten. Und diejenigen Musiker, die sich kulturell öffneten, passten sich oft zu stark an die Musik des Westens an, woraus ein Verlust an Eigenheiten wie etwa der Vierteltöne resultiere. Mit seinem Label Hermes Records wolle er jene zugegebenermassen kleine Gruppe von iranischen Musikern fördern, die – teilweise im Austausch mit anderen Kulturen – die