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das kulturelle überformat
Nr. 17 / 5. September 2008
#Wiedergehört: Philip Glass, «Satyagraha» (1986)
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musik
Wiedergehört: Philip Glass, «Satyagraha» (1986)

Anhänger wie Gegner. Zuvor war Glass, der die Stilbezeichnung Minimal Music nicht mag, mit seinen repetitiven Mustern, die sich in der Folge in Ansammlungen von kreierten Klangwolken nur leicht verändern, zum New Yorker Kultkomponisten aufgestiegen und zog sich dabei den Hass der Elite zu.

Mit «Satyagraha» dagegen stieg er auf die klassische Opernbühne, um das Genre erneut neu zu definieren. Er benutzte statt seines Ensembles ein ausgewachsenes Orchester, dessen Klang er wie eine Orgel einsetzte. Glass meinte dazu, die Orgel sei einst gebaut worden, um das Orchester zu ersetzen, er drehe diesen Umstand einfach um. In den drei Akten von «Satygraha» umkreist er die Philosophie Gandhis anhand drei der Hauptperson nahestehenden Figuren: Leo Tolstoi, mit dem Gandhi regelmässig Korrespondenz führte, dem indischen Mystiker und Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore sowie dem US-Bürgerrechtler Martin Luther King jr.

Im Grunde genommen hat diese konsequent in Sanskrit vorgetragene Oper mit der herkömmlichen Tradition nichts am Hut, und doch löst sich Glass zum ersten Mal von seinen ansonsten eher den Kopf ansprechenden minimalen Mustern, um vergangenen Grössen stilistisch Ehre zu erweisen.  Je nach Vorliebe lassen sich abwechselnd Verdi, Wagner, Delius und am Ende vor allem Berlioz ausmachen. Das Werk als Ganzes allerdings erinnert eher an ein Choralwerk oder ein Mysterienspiel. Es beginnt mit einer Arie, die in ein Duett mündet, dann in ein Trio und in der Folge in den mehrstimmigen Chor. Es geht in diesem Sinne in immer neuen Variationen weiter.