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das kulturelle überformat
Nr. 32 / 10. August 2010
#Will Eisner Porträt
  6/10
comic
Will Eisner Porträt

trägt, welches ihre Blössen schon zuvor lediglich knapp bedeckt hat. Grosse Pop Art lange bevor es diese offiziell gab.

Der Weg zur Novel

Die von Eisner selbst favorisierte Spirit-Geschichte ist «The Story of Gerhard Shnobble» aus dem Jahr 1948. Es geht um einen Jungen namens Gerhard, der an seinem achten Geburtstag vom Dach stürzt und feststellt, dass er fliegen kann. Seine Eltern wollen kein Aufsehen erregen und verbieten ihm die Fliegerei. Erst viel später, als gekündigter Bankangestellter, will er seine Fähigkeit sozusagen der Welt vorstellen, wird jedoch beim Fliegen von einem Schuss getroffen und stirbt. Der Querschläger kam aus einer Gangsterjagd des Spirit, die zur gleichen Zeit stattgefunden hat. Die Welt wird also nie etwas von Gerhards Fertigkeit erfahren. Eisner resümierte dazu: «Zum erstenmal wurde mir hier bewusst, dass ich in meinen Geschichten persönliche Gefühle aus drücken konnte. Manchmal, wenn einer meiner Freunde starb, habe ich Rückschau auf sein Leben gehalten und gedacht: Er hat eine Menge guter Dinge getan, aber niemand hat es bemerkt, obwohl er zwischen tausenden von Menschen lebte. Ich begriff, dass sich im Comic Inhalte erzählen lassen, die mehr in die Tiefe gehen, als das bislang der Fall gewesen war.»

Es sind diese Erkenntnisse, die Eisner 1978 dazu motivieren mit der Kurzgeschichte «Ein Vertrag mit Gott» neue Wege zu beschreiten, hin zu der von ihm erfundenen Graphic Novel. Ende 1950 hatte Eisner den «Spirit» anderen Zeichnern überlassen, was nicht