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das kulturelle überformat
Nr. 22 / 16. März 2009
#PJ Harvey & John Parish
  4/13
musik
PJ Harvey & John Parish

britischen Top 10. Harvey war damals 22 Jahre alt. Damit begann eine ausserordentliche Erfolgstory. Weitere Alben wie «Rid of Me» (1993), «To Bring You My Love» (1995) und «Is This Desire?» (1998) handelten wiederum von weiblicher Emotionalität und Sexualität und zeigten dabei keine Angst vor Dissonanz. Sie tat dies aber auch weiterhin nicht in einer winzigen Schublade namens Avantgarde. Selbst ihre «schwierigsten» Alben landeten noch in den Charts (darunter 1993 ein Album mit Demo-Tapes, «4-Track Demos» – Rang 19 in England). Damit hatte sie sich eine für die Umgebung von Major-Labels und Hitparaden höchst aussergewöhnliche Freiheit erkämpft. Und als sie mit «Stories from the City, Stories from the Sea» (2000) einmal ein relativ konventionelles Rockalbum veröffentlichte, bekam sie dafür prompt den Mercury-Preis für das «wichtigste britische oder irische Album des Jahres» zuerkannt. Seither hat sich ihre Musik wiederum stark gewandelt. So wandte sie sich bei ihrem letzten Werk, «White Chalk» (2007), dem Piano zu und schuf damit eine kammermusikartig intime Stimmung.

Produziert wurde «White Chalk» von John Parish, einem Freund, den Harvey seit ihren Teenage-Jahren kennt. Als Produzent hat er etwa mit 16 Horsepower, Goldfrapp, Eels, Howe Gelb und Experimental Pop Band gearbeitet. Er stammt aus Bristol und hat seit jeher das offene Ohr und die Verachtung für stilistische Schubladen an den Tag gelegt, welche Musikern aus jener Stadt gemeinsam zu sein scheint. Vor dreizehn Jahren erschien das erste Album von Harvey und Parish im Duo, das von Trip-Hop und Ennio Morricone angehauchte «Dance Hall at Louse Point» (1996).