Left Hand (Palm Rolled), 2007. Öl auf
Leinwand (203.2 x 157.5 cm) Text: U.S.
government document © 2009 Jenny Holzer,
member Artists Rights Society (ARS), NY.
Collection of the artist; courtesy Cheim &
Read, New York; Monika Sprüth Philomene
Magers, Berlin and London; and Yvon
Lambert, Paris

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das kulturelle überformat
Nr. 23 / 14. April 2009
#Jenny Holzer
  2/10
kunst
Jenny Holzer

Kürzlich veröffentliche das Magazin «The New York Review of Books» einen Bericht des Internationalen Roten Kreuzes, in dem die Behandlung von Terrorismus-Verdächtigen in den von der C.I.A. betriebenen Gefängnissen geschildert wird. Das Rote Kreuz kommt zum Schluss, dass in diesen Fällen die USA gefoltert haben. Dieser Verdacht wurde zwar bereits früher bestätigt, doch lässt sich nun nachlesen, dass dabei auch Ärzte zugegen waren – nicht etwa, um den Gefolterten zu helfen, sondern um den Peinigern Anweisungen zu geben.

Dies ist erschreckend. Vor allem auch die Tatsache, dass eine Demokratie sich ihrer Aufrichtigkeit beraubt und ihr Ansehen ruiniert, in dem sie sich ethisch in die Niederungen der von ihnen bekämpften Elemente begibt. In der nach Chicago nun in New York zu sehenden Retrospektive der Werke von Jenny Holzer wird einem dieser Schreckensmoment deutlich gewahr. Seit 2005 arbeitet die Künstlerin an ihrer Serie «Redaction Paintings»: es handelt sich dabei um einst geheime und nun in verkürzter Fassung freigegebene Regierungsdokumente, in denen von Misshandlungen die Rede ist. Zur Übergrösse aufgezogen und die sensiblen Stellen mit schwarzem Stift übermalt, erhalten die Fakten, die ansonsten in irgendeinem Archivschrank untergebracht sind, einen verheerenden Charakter. Immerhin geht es in diesen von Holzer geschilderten Fällen nicht um die Missstände in einem Land der Dritten Welt, sondern hier wird eine westliche Macht, die sich als oberste Moralhüterin versteht, in überdimensionierter Form entlarvt und blossgestellt.